Rückblick: Wissenstransfer im WIN-Netzwerk – „Nicht alles, was übergeben werden kann, sollte auch übergeben werden“
Für den Einstieg wurden die Ergebnisse der Umfragen aus dem
Netzwerk vorgestellt. Die Auswertung zeigt, dass Wissensmanagement in den untersuchten Unternehmen unterschiedlich stark ausgeprägt ist und häufig nur in Teilbereichen systematisch umgesetzt wird. Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die hohe Relevanz impliziten Wissens, das in vielen Fällen nicht ausreichend gesichert wird und somit ein erhebliches Risiko für Wissensverlust darstellt.
Aufbauend darauf ging es in den Vortrag der FO-E. Zusammenfassend lässt sich für die Veranstaltung festhalten:
Wissenstransfer wird oft wie ein Umzug behandelt: Alles wird
eingepackt, alles soll mit. Doch was, wenn genau das der falsche Ansatz ist? Mit dieser Frage eröffnete unser Impulsvortrag beim Treffen
des JOBvision-WIN-Netzwerks – und traf bei den Teilnehmenden Organisationen und
Unternehmen einen Nerv. Die These klingt zunächst provokant, entpuppt sich in der
Praxis aber als echte Entlastung: Wissenstransfer ist kein Umzug, sondern ein
guter Frühjahrsputz. Es geht darum, zu bewahren was wirkt – und sich bewusst
von Ballast zu trennen.
Drei Impulse, die besonders hängen geblieben sind:
1. Relevanz schlägt Menge. Nicht das meiste Wissen ist das
wertvollste, sondern das, was heute und morgen wirklich Leistung ermöglicht.
2. Nicht jede Erfahrung ist zeitlos. Vieles, was früher
galt, ist an alte Rahmenbedingungen gebunden – Technologien, Prozesse und
Kundenerwartungen haben sich verändert. Wer Wissen ungefiltert weitergibt,
riskiert, auch die Umwege von gestern zu konservieren.
3. Die entscheidende Frage lautet nicht „Was wissen die
Erfahrenen alles?“, sondern: Was müssen die Nachwuchskräfte tatsächlich
können?
Ein weiterer zentraler Punkt der Veranstaltung: Mentoring
ist im Kern keine Methodenfrage, sondern eine Kulturfrage. Tools wie
Teach-back-Formate oder kurze Mentoring-Takte helfen – doch ob Wissenstransfer
wirklich gelingt, entscheidet der Rahmen: Gibt es geschützte Zeitfenster? Wird
Mentoring wertgeschätzt und anerkannt? Sind Fragen erwünscht – oder unangenehm?
Denn eine Kultur des Lernens entsteht nicht durch das nächste Konzept, sondern
durch Wiederholung, Verbindlichkeit und echte Wertschätzung.